Anlagetechnik Radius / Unterarm

Indikationen:

  • Frakturen im handgelenknahen Bereich
  • Frakturen im Handwurzelbereich
  • Distorsion des Handgelenkes
  • Tendopathien
  • Bänder- und Sehnenverletzungen
  • Weichteilverletzungen
  • Lagerungsschiene
  • Physiotherapeutische Zwecke
Anlage: Die Vorbereitung der Materialien sollte eine zügige Anlage des Verbandes unterstützen. Alle benötigten Materialien sollten griffbereit positioniert werden um Verzögerungen im Ablauf zu vermeiden.

Die Lagerung des Patienten wird in einer für den Patienten und Anwender entspannenden Position durchgeführt. Dies kann je nach Ausmaß der Verletzung, der Diagnose , der Behandlungsmethode und des Patientenzustandes variieren.

Benötigtes Material: 1x 5cm oder 7,5cm Binde Delta Cast Conformable Polyester-Stützverband und hydrogel-beschichtetet Casthandschuhe, Schlauchverband, Polsterbinde Delta rol S, oder Frotteeschlauch, selbstklebendes Polstervlies, Kohäsivbinde, Verbandschere, Filzstift.

Bild 1:
Der Schlauchverband der die doppelte Lände des Unterarmes besitzen sollte wird angelegt und mit der speziellen Polsterbinde Delta rol S überwickelt. Diese spezielle, elastischen Polterbinde dient als „Bandage zur Weichteikompression“ unter dem Castverband. Alternativ dazu kann ein Frotteeschlauch als Unterpolsterung angelegt werden. Das selbstklebende Polstervlies wird als Daumenring aufgeklebt.

Bild 2:
Der Cast wird angelegt und dabei im Bereich der Daumenpartie mit einer Verbandschere eingeschnitten.

Bild 3:
Der Cast wird in zirkulären Touren um Hand und Unterarm gewickelt. Dabei sollte im Sinne der fokusierten Ruhigstellung und einer zu erwartenden Schwellung, folgende Lagenstärke beachtet werden: Distaler Handbereich 2-lagig, Handgelenkbereich 3-4 lagig, proximaler Unterarmbereich 2-lagig. Es ist nicht mehr notwendig den Cast exakt zu applizieren, da dieser problemlos mit einer Verbandschere bearbeitet werden kann.
Um die Passform und den Lagenverbund zu optimieren, sollte der Cast relativ fest ( ca. 50%-70% Dehnung appliziert werden.

Bild 4:
Der Castverband wird ca vier bis sechs Minuten lang der Hand, dem Handgelenk und dem Unterarmbereich anmodeliert. Korrekturen des Gelenkstellung können durchgeführt werden. Dabei evtl. auftretende Falten im Cast , lassen sich durch Längszug am distalen und proximalen Castende problemlos glätten. Anschließend werden die Schnittkonturen werden mit einem Filzstift angezeichnet.

Bild 5:
Es erfolgt der individuelle Zurechtschnitt und die Öffnung mit einer Verbandschere. Um ein Verschieben der Schnittstellen nach Wiederanlage zu vermeiden wird frakturentfernt eine Zacke in den Cast geschnitten. Ein evtl. zu eng applizierter Verband lockert sich nach Spaltung von allein ( besondere Eigenschaft von DCC). Gegebenenfalls kann der Cast durch zusätzliches Aufbiegen gelockert werden.

Bild 6:
Der fertige Unterarmcast wird dem Schwellungszustand entsprechend mit einer Kohäsivbinde fixiert. Abschließend wird der distal überhängene Schlauchverband über den fertigen Verband gezogen.

Aufgrund der geringen Lagenstärke bleibt der Verband semiflexibel und kann somit jedem Schwellungszustand individuell - weiter oder enger - angepaßt werden. Dazu wird die Kohäsivbinde entfernt und der Cast paßgenau verändert. Die Wiederanlage des Verbandes wird wie oben beschrieben durchgeführt. Diese Vorgehensweise kann während der gesamten Behandlungsdauer wiederholt werden.

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Varianten:

Unterarmcast zur Reposition von dislozierten Radiusfrakturen:
Der o.a. Unterarmcast hat Aufgrund seiner Lagenstärke eine recht hohe Flexibilität, was sich negativ auf ein erfolgreiches Repositionergebnis auswirken könnte. Durch das vorherige Unterlegen von eines ca. vier bis 6 lagigen, radialseitig, dorso-volaren Caststreifens, wird die Lagenstärke des Cast an der Stelle wo die Reposition durchgeführt wird auf insgesamt 7 bis 9 Lagen erhöht. So entsteht ein punktueller, rigider Cast bei dem die lokale Flexibilität eingeschränkt ist. Nach erfolgter Castanlge und Reposition wird der Verband ulnaseitig gespalten. Um das automatische Lockern des Verbandes zu verhindern, wird schrittweise geschnitten und mit Tapeverband fixiert. So entsteht ein Unterarmcast der an der Frakturstelle bzw Repositionstelle rigide ist aber sonst die patientenfreundliche Flexibilität aufweist. Vorteile zeigt der Cast auch bei der Nachsorge. Er läßt sich dosiert, schrittweise weiten oder enger stellen, was in der 1. Behandlungswoche von großer Bedeutung ist. So kann individuell auf Patientenbeschwerden (Verband zu eng) eingegangen werden ohne das Repositionsergebnis in großen Maße zu gefährden.

Handgelenksmanschette:
Hier wird der Unterarmcast am proximalen Ende ca. Handbreit oberhalb des Handgelenkes gekürzt. Das Anbringen von Klettband erleichtert die An und Wiederabnahme des Verbandes, vergleichbar wie ein Handgelenksschutz für Inliner.

Unterarm Brace:
Durch Zurückschneiden (oder bei der Castanlage dirket) wird ein Unterarmverband erstellt der die Funktion des Handgelenkes und des Ellbogengelenkes nicht beeinträchtigt (siehe auch Tibia Brace). Das Anbringen von Klettband erleichtert die An und Wiederabnahme des Verbandes,

Handgelenk Brace:
Hier wird ein ca. handbreiter Brace am distalen Unterarm erstellt. Die Funktion des Handgelenkes wird nicht eingeschränkt. Das Anbringen von Klettband erleichtert die An und Wiederabnahme des Verbandes.

Unterarmschienen:
verschiede Variationen mit oder ohne Finger / Handeinschluß.
(siehe volare Unterarmschiene mit Fingereinschluß).

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